Ev.-luth. Dreifaltigkeitskirche in Haunsheim

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Der Reichspfennigmeister Zacharias Geizkofler führte als Herrschaftsinhaber 1603 in Haunsheim den neuen Glauben ein. Die Gemeinde blieb bis heute der evangelisch-lutherischen Konfession treu.

Ev.-luth. Dreifaltigkeitskirche

Einheitlicher Renaissancebau, 1606 - 1609 von Johann Alberthal im Auftrag von Zacharias Geizkofler errichtet. Den Plan fertigte der Malerarchitekt Joseph Heintz d.Ä. unter Mitwirkung von Elias Holl. Durch die Beteiligung dieser und anderer Augsburger Bürger ist der einschiffige Wandpfeilerbau als "hochbedeutender Ableger Augsburger Baukunst" anzusehen (Dehio 1989, S. 421).
Er ist ein Beispiel für den herrschaftlich-evangelischen Kirchenbau dieser Zeit und einzigartig in Bayerisch-Schwaben. Er ist zugleich auch ein Beispiel für das Aufgreifen der Renaissance im Landkirchenbau.
Der Kultusbau gilt als einziger Renaissancebau in der Bundesrepublik Deutschland, der den Renaissancestil bis auf unsere Tage unverfälscht bewahrt hat.

Aussenansicht von Südosten Äußeres:

Bezeichnend für Heintz ist die klare Wandbehandlung. Die Gliederungselemente sind von der römisch-lombardischen Cinquecento-Architektur hergeleitet. Südliche Außenwand des Langhauses und des Chors mit Kolossalpilastern gegliedert; oberer Wandabschluss mit umlaufendem Triglyphenfries. Fenster von Lisenen und oben von einem flachen Dreiecksgiebel gefasst.

Turm, siebengeschossig über quadratischem Grundriss auf der Westseite nach dem Entwurf von Elias Holl aus Augsburg aufgeführt; als Abschluss dient eine vierseitige Haube mit Laterne.
Ein achtseitiges Türmchen auf der Ostseite antwortet gleichsam dem Fassadenturm. Es ist mit einem gedrücktem Spitzhelm gedeckt.

Inneres:

Helles und von klarer Linienführung geprägtes Inneres:
Der eingezogene Chor ist dreiseitig geschlossen und mit einem gratigen Sterngewölbe gedeckt.

Stuck: Fenster sind mit breitem Stuckband geohrt. Darüber jeweils gesprengter Dreiecksgiebel mit Vase auf Postament mit Diamantstein. Unter den Fenstern Blattgirlanden und Fruchtstücke.
Stuckrosette am Gewölbeschluss.

Empore: Im Westen eine gerade Doppelempore: In den Bogenzwickeln der unteren Empore in Stuckkartuschen die Wappen der Geizkofler und Rehlingen (nördlich).
An der Brüstung Schnitzereien in Form von Blattornamenten, Eierstäben und Laubbändern.
Die obere Emporenbrüstung entspricht nahezu der unteren.

Altar aus der Erbauungszeit; holzverkleidete Steinmensa aus der Vorgängerkirche St. Peter.

Kanzel aus der Erbauungszeit, 6-seitiger Korpus, wohl nach dem Entwurf von Joseph Heintz.

Taufstein aus Schwabenstein (Suevit) mit achtseitiger Schale, bez. "1530"; aus der Vorgängerkirche St. Peter übernommen.

Gestühl aus der Erbauungszeit

Opferstock: Eisenkasten auf niedrigem Holzfuß, 17. Jh.

Glasgemälde in den Chorfenstern: 6 Wappenscheiben von 1608, geschaffen von dem Glasmaler Achilles Miller aus Augsburg; die 4 unteren im nord- und südöstlichen Fenster 1878/79 ergänzt.
Je ein Hauptwappen umgeben von 4 Ahnenwappen:

  • "Hans Geizkofler v. Reiffenegg".
  • "Barbara Ettenharterin Von Vürckhensee; Sein Ehliche Hausfraw".
  • "Zacharias Geizkofler von Reiffenegg zu Gailenbach, Haunsheim, Moos, von Wöschenbeuren".
  • "Maria von Rehlingen zu Kleinen Kitzighoven, Sein Ehliche Hausfraw"
  • "Marx von Rehlingen zu klein Kitzighoven".
  • "Juliana Roth Sein Ehliche Hausfraw".

Holzfiguren: Kruzifix, überlebensgroß, 1. Hälfte 17. Jh.
Bemerkenswert ist das Antlitz des Gekreuzigten: Die linke Gesichtshälfte wirkt tot und die andere lebendig.

Grabsteine und Epitaphien:
Epitaph, ädikulaartig, für Zacharias Geizkofler am Chorschluss nach dem Entwurf von Heintz durch Christoph Murmann aus Augsburg; ausgeführt 1607; über dem oberen Gesims in einer rundbogigen Nische unter Dreiecksgiebel die Büste des Verstorbenen. Platte aus rotem Marmor mit Antiqua-Inschrift; beiderseits eine seitliche Kalksteinrahmung mit je 4 Ahnenwappen.
Auf dem unteren Gesims 2 trauernde Putti, die auf Totenköpfen ruhen; darunter in der Mitte das Doppelwappen Geizkofler-Rehlingen, das von den Flügeln eines Putto umfasst wird.
Geizkofler fand nicht in dieser, seiner Kirche die letzte Ruhestätte, sondern in Prag, wo er 1617 verstorben ist.

Totenschild über dem Geizkofler-Epitaph: Wappen Racknitz in Rahmen mit Muschelwerkdekor, 2. Hälfte 18. Jh.

Unter der Westempore die folgenden, bedeutenden Grabdenkmäler der früheren Schlossherren:

  • Grabstein aus Kalkstein an der Westwand für Ottilia von Horkheim, gest. 1568, von Hans Schaller aus Ulm.
    Platte mit reicher plastischer Beschlagwerkverzierung sowie 4 Engelsputtenköpfe in den Ecken; in der Mitte Allianzwappen Horkheim-Harbach.
  • Grabstein aus Kalkstein an der Westwand für Alexander von Wellwart, gest. 1549.
    Reliefdarstellung des Verstorbenen in voller Rüstung vor dem Kreuz kniend; die Inschriftkartusche ist flankiert von dem Wappen Wöllwarth und Harbach.
  • Grabstein aus Kalkstein für Christoph von Harbach, gest. 1545. Gestaltung vergleichbar mit jenem für Alexander von Wöllwarth, auch hier Loy Hering zugeschrieben.
    Zu Füßen die Wappen Harbach und Schenk von Winterstetten.
  • Grabstein aus Kalkstein für Barbara Christina Horkheim, gest. 1625, als Jungfrau vor dem Auferstandenen kniend.
  • Grabstein aus Kalkstein für Gabriel von Harbach, gest. 1530; von Loy Hering.
    Mittelfeld: Reliefbild des Verstorbenen in voller Rüstung, stehend; zu Füßen die Wappen Harbach und Knöringen.

Befestigter Friedhof, nach dem Plan von Elias Holl 1609 angelegt.

2 quadratische Ecktürme mit Zeltdach, in diesen und in der Ummauerung Schlüsselscharten. Grabstein aus gelbem Sandstein für Ludwig von Zipplingen, gest. 1457, in der westlichen Friedhofsmauer; Wappen mit 2 Schwertern, Zimier und Ordenskreuz.

Grabkreuze

Die schlichten, gleichgeformten Grabkreuze aus Eichenholz symbolisieren den Gedanken von der Gleichheit der Menschen im Tode. Sie sind mit stilisierten, volkskundlichen Motiven, wie Lebensbaum, Blutstropfen und Auge Gottes, bemalt. Dabei steht die Farbe schwarz für die Trauer, grün für die Hoffnung auf ein neues Leben und weiß für die neue Existenz im Reich Gottes. Die Bedachung der Kreuze bedeutet Geborgenheit auch im Tode.
Eine kleine Metalltafel bietet in schwarzer Frakturschrift auf weißem Grund den Namen, Geburts- und Todestag sowie einen christlichen Sinnspruch.

Text: Georg Wörishofer
Fotos: Christian Maushart